Geomantie - die erfahrbare Weisheit der Erde
Kann Landschaft heilen? Besitzen ein Berg, eine Quelle oder diese besonderen Bäume im nahen Wald mehr als nur ”natürliche Schönheit”? Die Geomantie bejaht diese Fragen. Tatsächlich kann man mit Landschaftsenergien viel intensiver arbeiten und mehr bewirken, wenn man ihre Dynamiken genauer kennen lernt. Ein Abenteuer und eine Selbsterfahrung namens: Geomantie.
Geomantie - der Zugang
Auf dem Weg durch den Wald verstummen langsam die Gespräche. Wie von selbst geschieht eine innere Sammlung, die der Wald hervorzurufen scheint. Als wir schweigend anhalten, sind wir auf einem natürlichen Versammlungsplatz. Vor uns stehen die Bäume, uralt und frei, wie mächtige Torwächter vor einem bedeutungsvollen Eingang. Dies ist, das ist jedem hier klar, der Durchgang zu einem ganz besonderen Ort.
Schon die nächsten Bäume zeigen das. Sie sind anders, strahlen Würde und Kraft aus. Dahinter leuchtet, wie eine liegen gebliebene Lawine, eine riesiges weißes Geröllfeld, das den ganzen Hang umschließt. Wir steigen jetzt den kleinen steilen Pfad am Rande der riesigen Steine hinauf. Mit jedem Schritt verdichtet sich die Energie. Dieser Ort wird durch unsichtbare Kreise geschützt und wir gehen über diese Schwelle, gegen eine abweisende unsichtbare Macht.
Oben angekommen, steht die Hüterin des Platzes, eine uralte Birke. Man grüßt, wenn man ein Haus betritt und auch hier ist es nicht anders: Wir verweilen also unter ihrem Geäst und sind danach bereit, fühlen uns willkommen geheißen und können gestärkt den innersten Kreis erforschen.
Der Wind begrüßt uns mit einer frischen Brise. Mit wachen Sinnen erkunden wir die markanten Stellen dieses Ortes, an dem Baumkreise, Baumfamilien und bizarre Steinformationen ihr Gesicht zeigen. Jeder der sich auf diesen Ort einlässt, hat nun Gelegenheit sich selbst einen Platz zu suchen, seine Erfahrungen zu machen, in Kontakt zu treten. Vielleicht wird eine bestimmte Frage gestellt, auf ein Lichtphänomen hingewiesen, die Körperwahrnehmung intensiviert. Eigene Erfahrung und Erforschung ist durch nichts zu ersetzen! Danach treffen wir uns wieder im Zentrum, am ”Platz der Chefin”.
Erfahrungsaustausch: Ja, dieser Ort ist gewaltig, nicht domestizierbar, wild und frei. Dies ist ein Ort, wo Frau und Mann tief in Kontakt mit sich selbst kommen, wo die persönliche Urkraft berührt wird.
Der Überblick geht nach Außen und Innen, über das Land und über sich selbst. Ich bin den Sternen ganz nahe und entdecke gleichzeitig den guten Stern in mir. Hier kann ich mich mit meiner ursprünglichen Kraft und Herkunft verbinden, meine ursprünglichen Absichten erkennen und die wesentliche Dinge des Lebens betrachten. Ich tanke auf, bin angeschlossen an die große, nicht endende Kraft der Natur, unseres Planeten. Tiefe Klarheit erfüllt mich.
Was ist Geomantie?
Geomantie bedeutet, das Wesen und Wirken eines Ortes zu erkennen und damit zu arbeiten. Es ist die Kunst, die Erde zu lesen.
Das Wort GEOMANTIE setzt sich dabei aus zwei Wortwurzeln zusammen. Das griechische Geo geht zurück auf Gaia, die Göttin der Erde. Das lateinische Mantika enthält den Wortstamm man, was im Sanskrit für Mond und Weisheit steht.
Geomantie = Die Weisheit der Erde.
Wie auch der Mensch, besitzt die Landschaft eine körperliche, eine geistige und eine seelische Dimension. Diese Wirkungsebenen drücken sich im jeweiligen Landschaftscharakter aus und sollten ganzheitlich geachtet und gewürdigt werden. Die äußere Form einer Landschaft und ihr inneres subtiles Kräftesystem bilden ein unverwechselbares Potential, einen energetischen Fingerabdruck. Und wie beim Menschen auch ergeben sich aus kleinsten Einheiten und weiträumigen Zusammenhängen sensible Wechselwirkungen. Ein Fluß der Energien, sichtbar für den Wissenden.
Geomantie ist die Fähigkeit des Menschen, die Welten und Wesen eines Ortes zu erspüren. Geomantische Schulungen sind darum zunächst Wahrnehmungsschulungen. Mit Hilfe der Geomantie gelang es unseren Vorfahren, ihr Leben und Siedeln mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur in Einklang zu bringen. Viele alte Bauten bezeugen diese Fähigkeit, sich mit dem Geist der Landschaft zu verbinden. Die Lage vieler Kultstätten, später auch von Kirchen und Städten wurde durch Geomanten bewußt ausgesucht und mit gestaltet. So besitzen wir heute einen großes geomantisches Vermächtnis: Orte und Plätze, deren geistige Ausrichtung und uraltes Wissen das geschulte Auge auch heute noch lesen kann.
Geomantie heute
Auch heutzutage bietet die Geomantie große Möglichkeiten zur menschenfreundlichen und sinnvollen Gestaltung. Jedem, der in seinem Beruf mit Landschaft, Räumen, Planung und Menschen zu tun hat, eröffnen sich neue Perspektiven. Er findet erweiterte Gesichtspunkte und verlässliche Wertesysteme für die Gestaltung seiner Arbeit. Aber auch die geomantische Inspiration hat schon Städteplaner, Architekten, Ökologen, Künstler und Heilkundler beflügelt. Der steigende Zuspruch bei geomantischen Schulungen beweist: Gestalten, aktives Einfluß nehmen, Heilen und bewußtes Verändern gewinnt durch diese alte, ewig junge Kunst an Tiefe und Weitblick. Natürlich sind besonders die Gestalter menschlicher Lebensräume angesprochen - sie erfahren hier den Geist ursprünglich-natürlicher Orte und welche Energien für welche Wirkung verantwortlich sind.
Aspekte der Geomantie
Praktische Geomantie in Natur und Landschaft berücksichtigt eine große Vielfalt von Aspekten. Beobachtet werden sowohl wissenschaftliche als auch spirituelle Phänomene. So kommt Wissen zu Fühlen, Emotion zu Intelligenz. Eine kleine Themenauswahl mag dies verdeutlichen:
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Geologie des Gebirges:
Entstehungsgeschichte, Geomorphologie (Formkräfte), der Boden unter unseren Füßen.
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Mit Stein- bzw. Felsformationen in Kommunikation treten:
Identifikation durch Meditationsübungen.
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Naturwelten und Naturwesenheiten:
Begegnung mit Elfen, Zwergen, Trollen, Feen, Sylphen und Undinen.
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Die Elemente:
Feuer, Wasser, Luft und Erde – ihre Natur und die Art ihrer Erscheinung.
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Die heilenden Kräfte der Natur:
Die Natur und Aufgabe eines Ortes. Sein Bezug zum umliegenden Land.
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Drachenlinien, Drachenwege, Landschaftstempel:
Die energetische Strömungen in der Landschaft.
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Ökologie der Landschaft und des Waldes:
Ökosystem, Ökologisches Gleichgewicht, Funktionen und Aufgaben bestimmter Ökosystemen, Naturwald und Forstwald
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Der Baumkreis:
Der keltische Oghamkreis, Der Baum und seine archetypischen Kräfte
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Botanische Grundlagen:
Das Werden, Wachsen und Gedeihen von Pflanzen, die Dreigliederung der Pflanze
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Arttypische Eigenschaften europäischer Baumarten:
Die körperliche Erscheinung, die Heilkräfte, die Überlieferung und Inspiration bestimmter Baumarten
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Kontaktaufnahme mit Bäumen:
Begrüßung, Ansprache und Austausch mit Baumwesenheiten
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Der Jahreskreis:
Solare und lunare Feste als Zugang zur Landschaft
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Zeremonialheilungen:
Heilige Handlungen an Ort und Stelle
Den Blick auf das Wesenslicht der vorhandenen Kraft (”Genius Loci”) zu richten und diese zu erkennen ist die erste Aufgabe eines Geomanten.
Dieser Genius Loci ist in der umgebenden Landschaftseinheit eingebunden. Das Erkennen der Schönheit und Vielfalt der Landschaft führt zum Erkennen des Landschaftscharakters. Diese Erkenntnis erhebt unser ganzes Sein, gibt uns Erkenntnis und schenkt uns Energie. Also ist dies die Kunst der Geomantie:
”Schau in die Landschaft und du schaust in die Seele der Natur”.